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Altlasten auf Liegenschaften des Bundes - Zwischenbericht zum Stand und zur weiteren Entwicklung (Kurzfassung)

Der komplette Bericht findet sich auch als PDF-Datei im Downloadbereich "Boden- und Grundwasserschutz".

Vorgehensweise

Die Veränderungen der politischen und militärischen Verhältnisse in Deutschland führten zu erheblichen Truppenreduzierungen und zu wesentlichen Umstrukturierungen der Streitkräfte. Ein Teil der bisherigen militärischen Liegenschaften in Deutschland wurde neuen militärischen Anforderungen zugeführt, ein anderer Teil mußte für zivile Nachnutzungen vorbereitet werden. Daten zu vorhandenen Boden- und Grundwasserbelastungen und Altlasten erlangten deshalb besondere Bedeutung.

Durch die Erfassung der Belastungen ist zu klären, ob Flächen existieren, von denen aufgrund der mili­tärischen Nutzungen Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung, insbesondere für Leben und Gesundheit von Menschen und für das Grundwasser ausgehen. Die Entscheidung, ob und in welchem Umfang eine Gefahrenbeseitigung notwendig ist, muß getroffen werden.

Die Ergebnisse der Untersuchungen geben auch Auf­schluß über Bodenkontaminationen, die z.Z. keine Gefahr darstellen, aber bei der Planung im Rahmen einer Neunutzung oder Umstrukturierung berücksichtigt werden müs­sen.

Um eine einheitliche Verfahrensdurchführung und Ergebnisbewertung zu gewährleisten, beauftragte das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen (BMVBW) (ehemals: Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau (BMBau)) und das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) die Oberfinanzdirektion Hannover (OFD Hannover) als Dienststelle der Landesbauverwaltung mit der Leitung dieser länderübergreifenden Aktivitäten.

Das Verfahren ist in drei Phasen gegliedert. Das Phasenkonzept und die anzuwendende Methodik wird in den Arbeitshilfen Boden- und Grundwasserschutz dargestellt. Die erhobenen Erkundungsdaten werden durch ein spezielles Erfassungsprogramm (EFA) erfaßt und in das Informationssystem Altlasten (INSA) eingespielt. Statistische Auswertungen der Datenbank geben u.a. auch Hinweise auf die Ausrichtung von Untersuchungsprogrammen bei bestimmten Kontaminationsflächenarten, die Kosten für Untersuchungen oder das Vorkommen von Kontaminanten. Zusammen mit dem geografischen Informationssystem GEO Altlast bildet INSA das Fachinformationssystem (FIS) Boden- und Grundwasser­schutz / Altlasten, welches Bestandteil des Liegenschaftsinformationssystem Außen­anlagen (LISA) ist.

Ein wesentliches Element des Gesamtkonzepts stellt die Qualitätssicherung von Probenahme und Analytik dar. Deshalb wurden zwischen der BAM und der OFD Hannover die „Anforderungen an Untersuchungsmethoden zur Erkundung und Bewertung kontaminationsverdächtiger/kontaminierter Flächen und Standorte auf Bundesliegenschaften“ geregelt.

Optimierung

Trotz dieses verbindlich eingeführten Gesamtkonzeptes bestehen in Teilbereichen noch Probleme, an deren Lösung gearbeitet wird.

·       Der Informationsflusses wird weiter verbessert um Informationsdefizite zu verringern und die Effizienz zu steigern.

·       Bei der Bauleitplanung müssen die Informationen aus dem FIS Boden- und Grundwasser­schutz / Altlasten zur Ausräumung der oft existierenden Unsicherheiten in Bezug auf die Existenz von schadstoffbelasteten Böden besser genutzt werden.

·       Die Zusammenführung aller Informationen über Boden- und Grundwasserbe­lastungen, nicht nur die über "Altlasten", wird die Planungssicherheit bei der Bundes­wehr­ver­waltung und der Finanzbauverwaltung der Länder erheblich erhöhen.

·       Die Erfassung aller Bundesliegenschaften ist noch nicht abge­schlossen, da der Gesamtbestand größer als der derzeit im INSA enthaltene ist. Ziel ist es, zu allen Liegenschaften des Bundes eine Aus­sage über die Kontami­na­tionssituation machen zu können.

·       Um die Aufnahme von graphischen Daten und deren Übertragung ins GEO Altlast zu verbessern, wird die Erfassungskomponente EFA-GEO entwickelt.

Bilanz

Seit Mitte 1991 werden Daten zu Liegenschaften des Bundes erfaßt. Von den derzeit im INSA geführten 3.600 Liegenschaften (Stand März 2000) befinden sich 1.926 Liegenschaften im Ressortvermögen des BMVg und 912 Liegenschaften in der Zuständigkeit des BMVBW.

Neue Sanierungsverfahren

Die Auswertung der Schadensfälle, die zu Sanierungen geführt haben, belegt bestimmte Problem­schwer­punkte:

·       MKW im Zusammenhang mit BTEX im Boden und Grundwasser,

·       CKW im Grundwasser ,

·       Schwermetalle im Boden.

Für diese Problemschwerpunkte entstanden neue Ansätze für Sanierungsverfahren, die z.T. erhebliche Kosteneinsparungen bewirken können und auch in ökologischer Hinsicht Vorteile bieten.

Natural Attenuation

Bei organischen Schadstoffen beeinflußt auch der biotische und abiotische Abbau ihre Ausbrei­tung. Zur Nutzung dieser natürlichen Selbstrei­nigungs­kräfte ist die Bewertung des vorhandenen Selbstreinigungspotentials sowie die Pro­gnosti­zierung und Überwachung des Verlaufs der möglichen Prozesse von Bedeutung (Monitored Natu­ral Attenuation (MNA)). Mittel und Verfahren zur Unterstützung des natürlichen Schad­stoffab­bau im Untergrund (Enhanced Natural Attenuation (ENA)), erweitern das Anwendungsfeld der Natural Attenuation.

Reaktive Wände

Bei der Sanierung von Grundwasserverunreinigungen mit chlorierten Kohlenwasserstoffen gilt heute die Aufmerksamkeit verstärkt der Anwendung passiver Verfahren, wie sie auch die “pH-Redox-Reaktionswände” darstellen. Hierbei durchströmt kontaminiertes Grundwasser eine mit nullwertigem Eisenmaterial gefüllte permeable “Wand”. Das elementare Eisen wirkt als starkes Reduktionsmittel und läßt langfristig hohe Abbauwerte erwarten. Für den Abbau von MKW und BTEX wird die Möglichkeit erprobt, statt des Eisens organische Substanzen einzu­bringen, um die mikrobielle Aktivität zu verbessern.

Bioventing / Bioslurping

Bioventing als in-situ-Verfahren aktiviert die natürlichen Selbstreinigungskräfte durch Einbringen von Sauerstoff in die ungesättigte Bodenzone. Durch gezieltes Einbringen von Luft läßt sich der Schad­stoff­abbau wesentlich beschleunigen. Die Bioslurping-Methode kommt beim Vorhandensein von Leichtphase auf dem Grund­was­ser zum Einsatz. Über Saugbrunnen wird der mobile Phasen­an­teil ab­ge­saugt und zurückgewonnen.

Elektrokinetik

Zur Sanierung von Bodenbelastungen durch Schwermetalle kommt u.U. die Elektrokinetik in Betracht. Durch Elektroden im Boden wird eine Gleichspannung angelegt. Das elektrische Feld bewirkt einen Schad­stofftransport im Boden. Die gelösten Schad­stoffe bewegen sich zur Kathode, wo sie durch Entzug der kontaminierten Spülflüssigkeit aus dem Boden eliminiert werden.

Phytoremediation

Bei der Phytoremediation werden Pflanzen eingesetzt, um organische Schadstoffe zu degra­dieren oder metallische Schadstoffe zu immobilisieren. Der Schadstofftransport im Grundwasser kann durch Pflanzen beeinflußt werden, indem Grundwasser durch die Pflanzenwurzeln aufgenommen und über die Blätter verdunstet wird.

 

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