„Zur Kasse bitte!“ – Ist es fair, wenn auch Roboter Steuern zahlen müssen?

Posted on 23 of Mai, 2018 by in Allgemein

Für das Jahr 2020 werden weltweit 3,05 Millionen Industrieroboter prognostiziert. Gleichzeitig mit der Industrie 4.0. verändert die Demografie unsere Arbeitswelt und die Gesellschaft.

Hier ist ein Video von der Hannover Messe:

Da stellt sich mir als Steuer-Blogger die Frage: Ist eine Robotersteuer notwendig, um das Zusammenwirken von Roboter und Mensch auf neue Füße zu stellen?

KONTRA

Die Gegner der Steuer warnen davor, für Roboter zur Kasse zu bitten.

Roboter seien aus den hoch industrialisierten, beschleunigten Produktionsprozessen nicht mehr wegzudenken. Auch eine Robotersteuer würde Unternehmen nicht veranlassen können, auf Roboter zu verzichten oder deren Zahl zu reduzieren. Die Steuer führe nur zu Umsatzverlusten, die sich dann in einer verringerten Zahl menschlicher Beschäftigter niederschlagen würde.

Sinke aber die Zahl der Beschäftigten, schmelzen auch die Steuereinnahmen aus deren Einkommen. Der allgemeine Konsum ließe nach. Eine Robotersteuer verfehle also vollständig das Ziel.

Außerdem sei nachgewiesen: Je mehr Roboter zum Einsatz kommen, desto höher auch die Beschäftigungsquote. In stark robotisierten Wirtschaftsnationen wie Japan, Deutschland, Südkorea oder Singapur sind Arbeitsplätze keine Mangelware. Hier kommen zwischen 303 und 631 Roboter auf 10.000 Beschäftigte in der Industrie. Zugleich herrscht in diesen Ländern praktisch Vollbeschäftigung.

Die weitere Automatisierung der Wirtschaft berge daher noch ungeahntes Potenzial für die Schaffung neuer Stellen für menschliche Arbeitskräfte. Ziehe man nun eine steuerpolitische Bremse, erlahme der Fortschritt. Die Wirtschaft stagniere, anstatt zu wachsen. Auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil ist daher Gegner einer Roboterbesteuerung und bezeichnet diese als „Produktivitätsverhinderungssteuer“.

Die Kritiker bezweifeln zudem, dass sich eine praktikable Berechnungsgrundlage finden ließe und fragen, wie verschiedene Typen von Roboter besteuert werden sollten:

Ist die Verwendung eines Softwareprogramms bei einer Arbeit, die so ohne die Hilfe der Maschine nicht mehr zu bewerkstelligen wäre, bereits ein robotisierter Vorgang? Sind eine Zulieferdrohne oder ein selbststeuerndes Auto im Paketdienst genauso zu besteuern wie der Co-Robot mit Greifarm, der mit helfender Hand in Teamarbeit am Fließband Pkws fertigt?

PRO

Die schwierige Grundsatzdiskussion über den messbaren Wert von Arbeit allgemein ist für die Advokaten einer Robotersteuer nur ein zusätzlicher Beweis dafür, dass man sich der Frage nach der Rolle der Robotik in der Arbeitswelt der Zukunft jetzt dringender denn je zu stellen habe.

Die erzielten Steuergewinne könnten Defizite bei sinkenden Sozialversicherungsbeiträgen ausgleichen, so die Fürsprecher der Robotersteuer.

Außerdem ließen sich die Steuereinnahmen dazu verwenden, menschliche Arbeit im sozialen und therapeutischen Bereich zu subventionieren, für deren Erfüllung Roboter ungeeignet sind.

Bei der konkreten Ausgestaltung der Besteuerung sehen die Befürworter verschiedene Möglichkeiten:

Denkbar sei eine Gebühr pro Roboter. Infrage käme aber auch die Besteuerung auf Grundlage eines Stundenlohns, der sich an vergleichbaren Löhnen für menschliche Arbeit orientiert. Diese Auffassung vertritt unter anderem Bill Gates, der ein Verfechter der Robotersteuer ist.

Auch eine Versicherungsabgabe für Roboter ist im Gespräch. Sie könnte vor von Robotern verursachten Schäden schützen und im Ernstfall für diese haften.

Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender von Siemens, plädiert für ein Modell der Robotersteuer, das in Rechnung stellt, wie das Verhältnis der Anzahl beschäftigter Menschen zu Maschinen am Gesamtgewinn eines Unternehmens ist. Je höher der Anteil der durch Roboter erledigten Aufgaben sei, desto höher müsse auch die Steuerlast für das betreffende Unternehmen ausfallen.

Klar ist, dass eine Robotersteuer nur dann effektiv funktionieren wird, wenn sie global erlassen wird und nicht indirekt Steuerfluchtbewegungen in Länder auslöst, in denen es eine solche Steuer nicht gibt.

Auf der Hannovermesse werden übrigens auch spezielle Robotermodelle vorgestellt, die die Zusammenarbeit mit Menschen verbessern sollen. Diese neue Generation an Robotern ist mit speziellen Sensoren ausgestattet und wird als „Cobot“ bezeichnet. Dies leitet sich von Collaborative Robots ab. Ich bin ja mal gespannt, wann die „Kollaboration“ so gut ist, dass Menschen mit ihnen Liebe machen können. In diesem Fall gibt es sicher auch eine Escort Steuer für Roboter 🙂